Wetterkapriolen in Andorra

Gruppenfoto der Country Clubber

Die Laufzeiten der anderen Strecken:

Der dritte Verpflegungspunkt existiert nur noch rudimentär.

Trotzdem ist noch Verpflegung vorhanden. Aber eben komplett ohne Plastikbecher, die man sonst wohl kilometerweit einsammeln könnte.

Doris mit Sticks - sicher ist sicher.

Gemeinsam vor dem Collada Estall. Das Ziel ist nicht mehr so weit.

Man kann den Zielsprecher bereits hören.

Aber auch zum Ende gibt es immer noch "Talfahrten", die es zu umgehen gilt.

Glücklich und vollkommen platt im Ziel.

Auf der Rückfahrt am Sonntag über die Passstraße zog blitzschnell Nebel auf ...

Im Ort sahen wir, wozu man ausgemusterte Skier noch gebrauchen kann.

Eine örtliche Sportgruppe führt beeindruckende Kunststücke vor.

Trotz der Fotos und Berichte aus dem letzten Jahr von Jürgen Kuhlmey und Klaus Egedesö nach denen man sich an massiven Ketten zum Gipfel hochziehen musste, trauten wir uns an das Abenteuer ANDORRA TRAIL MARATHON heran. Ausschlaggebend war Doris‘ Kauf von Teleskop-Walkingstöcken im Ausverkauf eines Hamburger Sportgeschäfts. Das war das Startsignal für mich, mich um Flüge, Hotels, Transfer und Anmeldung zu kümmern.
Durch die Stöcke war die Buchung eines Koffers bei der Fluggesellschaft zwingend, denn die dürfen nicht ins Handgepäck.
Mit der Anmeldung war auch ein ärztliches Attest erforderlich, aber das kannten wir bereits aus Frankreich und von einigen osteuropäischen Läufen.
Da es sich um einen Gebirgslauf (mit dem höchsten Punkt auf 2.745 m handelt), ist die Liste der verpflichtend erforderlichen und empfohlenen Ausrüstungsgegenstände zu beachten. Die o.g. Vorjahresteilnehmer berichteten, dass deren Mitnahme beim Einchecken in den Startbereich kontrolliert wurden. Also waren u.a. Rettungsdecke, Trillerpfeife, Mobiltelefon, spezielle Kleidung und Verpflegung mitzuführen.
Was bei der Vorbereitung im Herbst 2016 nicht absehbar war, wurde kurz vor Reisebeginn ein äußerst konkretes Thema: wie kommt man trotz G20-Gipfel zum Hamburger Flughafen und würde unsere Fluggesellschaft ab Hamburg fliegen, denn andere hatten ihre Flüge für diesen Zeitraum nach Hannover verlegt oder ganz abgesagt.
Eurowings flog jedoch weiter Hamburg an und wir entschieden uns für die Fahrt mit der S-Bahn am Freitagmorgen. Außer 4 Bundespolizisten im Waggon war zum Glück alles wie üblich und auf dem Flughafen lief alles problemlos und pünktlich. (Das über Hamburg einbrechende Inferno bekamen wir dann über Whatsapp-Fotos und –Videos aus der Heimat und den englischsprachigen TV-Sendern im Hotel mit.)
In Toulouse angekommen traf uns der Hochsommer mit voller Wucht: 34° Celsius und Sonne total.
Vorbei an riesigen Sonnenblumenfeldern fuhren wir über die französischen Autobahnen gen Süden.

Am Hotel trafen wir gleich Dan aus England. Nach dem Einchecken und einer kurzen Abkühlung im Pool fuhren wir zur Startnummernabholung und Vorbesprechung an den Veranstaltungsort. Vagn (DK), Winfried (D) und Curt (S) waren auch schon da. Das Briefing fand auf spanisch, französisch und englisch im Kulturzentrum statt. Übrigens war deren Wettervorhersage sehr genau.
Nach einer großen Pizza ging es früh ins Bett, um am nächsten Morgen früh loszufahren und noch einen Parkplatz zu bekommen. Nach Frühstück aus dem Lunchpaket auf dem Parkplatz gingen wir zum Start und trafen Giuseppe (D) und Unto (SF) und erledigten das obligatorische Country Club-Gruppenfoto. Beim Eintritt in den Startbereich wurde unsere Rettungsdecke kontrolliert. Beim Warten auf den Startschuss fiel unserer Blick auf die überdimensionalen Stoppuhren, auf denen die Laufzeiten der anderen Wettbewerbe (seit Mittwoch über 233,  170, 112 und 83 km) angezeigt wurden. Sehr beeindruckend.

Endlich fiel der Startschuss und bei ca. 16° und Sonnenschein setzte sich der Lindwurm in Bewegung. Die ersten 4 Kilometer im Laufschritt, dann ging es sukzessiv bergauf und unsere Umgebung fiel in den Marschschritt. Doris setzte bald die Walkingstöcke ein. Die ersten beiden Kontrollpunkte bei 11 und 19 km erreichten wir mühelos und mit Vorsprung vor dem Cut off – und naschten an den Nougat-Pralinen als Stärkung. Es gab aber keine Becher, so dass wir die Getränke an der Station aus unseren Flaschen tranken. (Den Grund lernten wir eine Station später) Als der erste Regen einsetzte probierten wir die Regenjacken aus. Nun ging es deutlich steiler nach oben, die Bewölkung nahm zu und wir hörten das Grollen von einem Gewitter. Ich hoffte nur, dass es an der Bergkette hängen bleiben würde, damit es zu keinem Rennabbruch käme. Auch wurde der Regen stärker, die Temperatur sank und es kam Wind auf. An der nächsten Ecke wurde der Wind noch stärker. Wir hatten inzwischen alle Sachen aus unseren Rucksäcken angezogen – außer den Schirmmützen, damit sie nicht wegflögen. Die Strecke führte über ein Geröllfeld, so dass ich nun auch die Stöcke zum Einsatz brachte. Genau im richtigen Moment, denn nun zerrte der Wind, der inzwischen Sturmstärke erreicht hatte an uns, dass wir zeitweise wankten. Den etwas kleineren finnischen Läufer Unto soll es auf dieser Passage umgeweht haben. An Abwarten war aber nicht zu denken, da uns trotz Schutzkleidung so kalt wurde, dass wir in Bewegung bleiben mussten. Als wir endlich am nächsten Kontrollpunkt ankamen, waren alle Zelte dort abgebaut, weil der Wind sie umgeweht hatte. Doris und ich beschlossen, sofort weiterzugehen, um den Anschluss an unsere Bekannten zu halten. Die Strecke war aufgrund von Windgeschwindigkeiten bis 120 km/h verändert worden und führte nun nicht mehr über den Gipfel. Somit blieben uns die „Ketten“ erspart. Die Alternativroute über das Geröllfeld hatte es allerings ebenfalls in sich. Denn hier gab es über hunderte Meter keinen Windschutz und der Schieferbruch bot keinen guten Halt. Nach gefühlt einer weiteren Stunde (mit Kilometerzeiten von bis zu 30! Minuten) kamen wir endlich in tiefere Bereiche. Der Wind und Regen ließ nach und die Temperaturen stiegen wieder an. Am letzten Kontrollpunkt trafen wir unsere deutschen Mitläufer wieder und gratulierten uns gegenseitig, dass wir diese körperliche und mentale Probe HEIL überstanden hatten. Wir schworen uns, dass wir alle den Lauf finishen würden, damit wir hier nie wieder herkommen müssten! [Die gleiche Meinung vertrat übrigens am nächsten Tag auch der Schwede Curt, der zwar 90 Minuten vor uns finishte, aber offensichtlich genauso wenig Spaß hatte wie wir.]

Doris und ich marschierten und liefen also weiter, zogen irgendwann die zusätzliche Kleidung wieder aus und setzten bergab weiter die Stöcke ein, um nicht auf den letzten Kilometern noch zu stürzen. 3 Kilometer vor Schluss stand ein Streckenpostenfahrzeug auf dem Weg und jagte uns nochmal einen Berg hoch. Wir nahmen es hin und absolvierten auch dieses Stück. Inzwischen hörten wir den Zielsprecher, konnten ihn aber noch nicht sehen. Es ging noch durch ein Stück Laubwald (weiter oben standen fast nur Nadelbäume) und wir kamen endlich auf eine asphaltierte Straße. Dort jubelte uns Giuseppes Frau Giusi zu. Nun war das Ziel nicht mehr weit. Nach sage uns schreibe 12:01 Stunden kamen wir um 20 Uhr abends im Ziel an. Die Sonne schien noch und es waren angenehme Temperaturen – von dem für uns Norddeutschen sehr abwechslungsreichen Bergwetter war hier nichts zu spüren oder ahnen. Kurz nach uns kam Dan und war ebenfalls überglücklich, es geschafft zu haben.

Jetzt noch schnell ins Sportzentrum, um Finisher-Medaille und –T-Shirt abzuholen. Danach nur noch mit dem Auto ins Hotel, gleich eine Pizza mitgenommen, um bloß nicht mehr aufstehen zu müssen. Nach Pizza und Dusche schliefen wir sehr schnell ein. Am Sonntag morgen schauten wir noch die Stadt an, besuchten kurz die Hauptstadt und fuhren dann über den Bergpass (mit aufziehendem Nebel) zurück nach Frankreich und dann weiter zum Flughafen in Toulouse.
Die Medaillen für den 61. Länderpunkt hatten wir uns schwer erkämpft.

Doris und Mario